Lyrik

Raunächte

magische Spanne zwischen den Jahren
dem Jahr der Mondin und des Sonnenhelden

So viele Wünsche und Vorsätze steigen auf wie Feuerwerk.
So viele Ängste: Was wird daraus?
Werden sie explodieren und verglühen?
Nichts zurücklassen als einen Schweif, der rasch verblasst?


Auch Träume wollen genährt werden
zuerst mit Fantasien, und die wiederum wollen gefühlt werden
nicht nur im Kopf existieren als Liste.

Und dann mit ersten Schritten —
der Punkt, wo viele aufgeben: Sie wollten Sieben-Meilen-Stiefel.
Andere bewegen sich tastend über unvertrautes Terrain
oder stolpernd wie ein Kind bei ersten Gehversuchen
vielleicht mäandernde Spuren hinterlassend wie ein verirrter Wanderer
weil Kurskorrekturen nötig sind.

Macht nichts… auch kleine Schritte und sogar Umwege führen
vielleicht — zu großen Erfahrungen.

Raunächte sind Frauenzeit, voll dunkler Geheimnisse
nicht die Zeit des Sonnen-Helden.
Die Mond-Heldin weiß: Der vorausgeworfene Vorsatz
ist kein unverrückbares Ziel, wo es gilt ins Schwarze zu treffen

oder es heißt: „Verfehlt.“

Wünsche sind Wege, ob gerade oder verschlungen.

Zwölf und die wilde dreizehn

Mit dem Beginn der Spanne zwischen den Zyklen von Sonne und Mond
sind Schnee und Eis geschmolzen.
Freudig setze ich Fuß vor Fuß,
bestaune die Vielfalt der Winterbäume:
Stämme, bewachsen von malachitgrünen Flechten,
aufwärts strebende immergrüne Kiefern,
und Birken zeigen, sogar wenn sie nackt sind, ihre verspielte Leichtigkeit.

Nahe am Fluss tanzt eine Mücke, weit jenseits ihrer Saison.
Geschwollen von der Schneeschmelze schiebt sich der Fluss
unter der Brücke hindurch und weiter
in den magischen Raum dieser wilden Zeit außer Rand und Band
wo die Wunder des Neuen geboren werden.

Zwölf Nächte, gefolgt von der dreizehn, dem Tag der wilden Karte:
Durch frisch gefallenen Schnee stapfend
schaue ich auf zur blassen Wintersonne, funkelnd wie der Nordstern,
den Weg weisend zu neuen Anfängen.

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Ein Kommentar zu “Lyrik

  1. Maracuna sagt:

    Einige Gedichte die ich von Dir gelesen habe gelesen habe gehen so tief dass ich sie erst mal sacken lassen muss, um sie irgendwann vielleicht nochmal zu lesen.
    Aber dieses hat mich spontan begeistert! Habe beim lesen ein bischen besser verstanden, warum ich die Rauhnächtezeit zwar liebe und auch zelebriere, gleichzeitig aber oft in gesundheitlichen Krisen steckte in der Zeit. Danke!!!

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