Echos unter der Brücke

Blick-vom-Wehr

Ein sonnenwarmer Tag —
vielleicht der letzte Sommertag dieses Septembers?
Mein Radweg zum See führt über die Wehrbrücke.
Ich halte an, um dem machtvollen Klang des Wassers zu lauschen —
und denke an eine Freundin,
die beim Anblick und Klang des kraftvollen Wassers Furcht empfindet.

unter-der-Brücke

Kurz vor dem Ziel führt mein Weg hindurch unter der Eisenbahnbrücke.
Wer dort ruft, erzeugt ein Echo.
Die hallenden Töne übersetze ich als Erinnerung
an die Schwere der Vergangenheit.
So lange, zu lange habe ich sie als Lasten getragen:
Die mütterlichen Ängste vor Krankheit.
Ihre Phantasie ließ jeden Husten zur tödlichen Krankheit werden.
Darüber stülpten sich die väterlichen Ängste vor Mangel und Not.
Die Prägung wurde zur schlechten Gewohnheit,
die Lebensfreude verkümmern ließ.

Heute will ich die Freuden auskosten
dieses vielleicht letzten Sommertages vor dem Herbst
in vollen Schwimmzügen,
will die Leichtigkeit der Bewegung im Wasser genießen.

Beim Rückweg über die Eisenbahnbrücke denke ich an den nahen Herbst,
an Bäume, die bdedenkenlos ihre Blätter dem Wind überlassen.
Und fühle mich so leicht, als könne ich über die Brücke fliegen.

Eisenbahnbrücke

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Ein Kommentar zu “Echos unter der Brücke

  1. Sehr bewegend. Und ein schönes Ende.

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