Begegnung mit Mauersegler

Aus den Fenstern meiner Wohnung kann ich nicht nur den Himmel über den Dächern der Häuser gegenüber sehen, samt Tauben und gelegentlichen Krähen und Elstern – im Sommer sind oft Mauersegler unterwegs, und die sind sehr willkommen: nicht nur hübsch anzusehen in ihrem schnellen Flug, sie scheinen auch eifrig dafür zu sorgen, denn Bestand von Mücken und Fliegen gering zu halten.
Im Sommer 2013 wurde ich sehr früh am Morgen von einem sonderbaren Geräusch aus dem Schlaf aufgestört. Zuerst dachte ich, es käme aus der Nachbarwohnung, doch als ich aufstand entdeckte ich die Quelle der störenden Töne zwischen den Pflanzen auf der Fensterbank: Ein Vogel schien sich in einer ausladenden Sukkulente verfangen zu haben. Das ganze war mit geradezu unheimlich: Obwohl ich gern bei offenem Fenster schlafe, hatte ich sie geschlossen, um den Verkehrslärm zu minimieren. Den Vogel, der in der Pflanze zappelte, offenbar nicht in der Lage, sich selbst zu befreien, identifierte ich als Mauersegler – aber wie war er in die Wohnung geraten?
Ganz einfach: durch’s geöffnete Küchenfenster durch die ebenfalls geöffnete Tür zwischen Wohn- und Schlafzimmer, wo er nach einem Ausweg gesucht hatte. Und da zappelte er nun und mir km die Aufgabe zu, meinen unfreiwilligen Gast wieder in die Freiheit zu befördern. Während ich das zweite Fenster öffnete (weil ich da nicht erst eine Reihe von Topfpflanzen abräumen musste), machte ich mir ernsthafte Sorgen: Was, wenn mein Besucher gar nicht mehr fliegen konnte, weil er verletzt war? Würde ich ihn dann zu einem Tierarzt transportieren müssen?
Wenigstens einen Pluspunkt gab es: Vor vielen Jahren, so lange her, dass es mir fast vorkommt wie die Erinnerung an ein vergangenes Leben, habe ich mal im Zoohandel gearbeitet, war also in der Lage, einen Vogel mit den Händen zu greifen, so fest, dass er sich nicht durch Zappelei verletzen kann und gleichzeitig so sanft, dass ich nicht ihn zerquetsche.
Und, siehe da: kaum hatte ich meinen Gast aus dem Fenster gehalten und vorsichtig die Hände geöffnet – da hob er auch schon ab. Ein aufregendes Erwachen mit gutem Ausgang.

Bild-VG-Mauersegler

Mauersegler werden oft für Verwandte der Schwalben gehalten, was sie aber, trotz der äußeren Ähnlichkeit, nicht sind. Sie haben noch längere Flügel als Schwalben, ihr Schwanz hingegen ist relativ kurz. Eine Besonderheit sind die Füß, die nur zum Anhaften an Mauern genutzt werden, nicht aber zur Fortbewegung auf dem Boden. Deshaln war mein Gast wohl nicht in der Lage, sich selbst zu befreien. Vom Boden aus können die Tiere kaum noch zum Flug starten.
Mauersegler erbeuten ihre Nahrung – kleine Insekten – im freien Flug. Sie können auf Luftströmungen segeln, sie paaren sich im Flug und übernachten sogar in der Luft.

Da ich schon des öfteren über Krafttiere geschrieben habe, zuletzt über Panther, Krähe und Ziege, kommt jetzt auch noch der Mauersegler als Krafttier:

Vor allem lenkt er den Blick auf Leichtigkeit und Bewegleichkeit, sowohl physisch wie auch mental und fordert dazu auf, den Blick nicht nur nach unten und auf das Naheliegende zu richten, sondern auch in die Ferne und nach oben schweifen zu lassen. Die Kraft des Mauerseglers hilft dabei, sich über selbstgesteckte Grenzen zu erheben, zunächst einmal in der Vorstellungskraft.
Darin steckt eine wichtige Botschaft für diejenigen, bei denen Beweglichkeit zu Unrast und Aktivismus wird. Der Mauersegler, der sogar in der Luft schlafen kann, macht es vor, indem er sich einfach von den Windströmen tragen lässt.

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