Nasse Füße — na und?!

Früh morgens schon durchweicht vom Regen —
pitsch-patschnasse Stiefel und Jeans gewechselt.
Später, der Regen ist weiter gezogen, ein Umweg durch den Park.
Am Spielplatz ist der Weg zum Bach mutiert.
Das schreckt die Kinder nicht, im Gegenteil:
Wasserspiele — das ist doch mal ein neuer Barfuß-Spaß.

Spielplatz-ueberflutet

Im Kopf hallt, wie ein Echo aus ferner Vergangenheit,
die mütterliche Stimme: „Deine Jacke ist naß? Die Schuhe auch?
Du wirst dich erkälten. Du wirst dir den Tod holen!“

Wie gut, dass Menschen lernfähig sind.
Sogar fähig, ererbte Ängste fortzuspülen
mit den Strömungen des Lebens.

Spiel-im-Wasser

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Im Boot des Jetzt

Schamanin-in-Kanu

Genug des Pendelns
zwischen Lasten der Vergangenheit und deren Spiegel in der Zukunft.
Das Boot ist bereit
für die Reise auf den Strömen des Jetzt.

Was beginnt als ruhiges Gleiten auf sanften Wellen
wird turbulent, als das Wasser über Felsen springt.
Der Bach wird zum Fluss, wird zum Strom
mit lebhaftem Schiffsverkehr:
Austausch von fröhlichem Winken
aber auch die Gefahr der Kollision.
Ganz präsent sein im Jetzt macht es leicht, den Kurs zu ändern
oder das Tempo zu drosseln, um die Aussicht zu genießen.

Längst ist das Alte weit zurück geblieben
und so, unbelastet von Vergangenheit und Zukunft
ergibt sich der Wechsel wie von selbst
zwischen sanftem Gleiten und voller Fahrt.

Küste-mit-Leuchtturm

Wasserspiegel

Lilien-Baumspiegelung

Regen… Regen… Regen…
bis Flüsse und Seen ihre Ufer sprengen.

Regenpause…
endlich… raus…
Mich vergewissern:
Ja, es ist wirklich Mai
in voller Blütenpracht.

Die Bank ist reserviert für Enten.
Bank-nurfuer-Enten

Die Wasseriris
einst am Ufer wurzelnd
verneigen sich vor ihrem Spiegelbild.

Ich verneige mich vor der Kraft des Wassers.

Wasserlilien-Spiegel

Ent-wurzeln

Ent-Wurzeln

Nicht nur Blätter wurden vom Baum gerissen durch den heftigen Sturm –
sogar starke Äste sind zu Boden gekracht.
Dem Vorbild der Verwurzelten folgend
habe ich mich verabschiedet
von kleinen Wünschen und großen Träumen,
im Begriff, die Bäume in ihrem Loslassen zu übertreffen:
Mit jedem Schritt ziehe ich meine Wurzeln aus dem Erdreich
– auf meinem Weg in welchen neuen Lebensraum?
Wo sind die Wegweiser?

Sicher kann ein Baum die Quelle spüren,
sei sie nah oder weit entfernt.
Also lerne ich, meine Wurzeln als Fühler zu gebrauchen,
die Atmosphäre ertastend.

Schwert und Stab fallen lassen

Schwert-Stab

Auf einmal wollte ich nicht mehr:
nicht einen einzige dieser inneren Dialoge austragen.
So oft erlebt — all diese „du solltest, du musst, du darfst nicht…“ —
bis die Erfahrung ihre eigene Dynamik bekam.

Bis ich lebte mit einem mentalen Schwert in der rechten Hand, zur Abwehr,
in der linken: den Äskulapstab, um hilfreich und nützlich zu sein.

Das Loslassen all der innere Debatten erfordert Achtsamkeit.
Doch es lohnt sich: Schwert und Stab fallen lassen befreit den Kopf
und auch: das Herz.

Loslassen ist befreiend —
es lockert das Haften an alten Bildern von „Ich bin“.
Die Öffnung für Neues schafft auch Leere:
die Tiefe und Weite und Höhe eines Niemandslands.
Kein Gegner in Sicht, und niemand, der nach Hilfe ruft.
Was sich öffnet, ist Stille, und die lässt hörbar werden
die leise Stimme von innen: So viel losgelassen
doch all dies ist noch nah.
Gib acht, dass es sich nicht wieder hinein drängt ins Leben,
lass sie zu, die Leere:
der wahre Raum für Neues.

Schwert-und-Schild.abgelegt

Meditation

Ansatz der Meditation, zerbrochen durch die Brandung der Gedanken —
und ich erschrecke:
So viel Gedankenmüll angesammelt im Laufe des Lebens.
So viel, was nicht zu mir gehört

Auf das Entsetzen folgt verstehen.
Ich kann mich bedanken bei mir selbst
Sehen, Wissen, Verstehen ermöglicht den großen Schritt zur Änderung.
Was bleibt, nachdem die ungebetenen Gedankengäste verabschiedet wurden:
Nicht viel, zunächst:
Ein weiter Raum
wie ein Acker am Ende des Winters:
Was möchte ich säen?