Ankommen

Herbstbaum

Nach dem Besuch bei der Familie
die drängende Frage:
Was brauche ich, um wieder anzukommen bei mir selbst?

Zeit allein ist nicht genug
all den kleinlichen Zwist loszuwerden,
der noch sein Un-Wesen treibt in Kopf und Herz.

Noch weniger hilfreich wäre, in Gedanken immer wieder dorthin zu reisen
wo jeder kleinliche Anlass harsche Worte auslösen kann.

Dann lieber: Atmen
tief hinein in meinen Körper…
das ist ein Anfang und doch nicht genug:

Schon bricht sich Ärger freie Bahn bei dem Gedanken:
Ich bin nicht verantwortlich für die Kämpfe anderer.
Warum tappe ich immer wieder in meine eigene Falle?

Der Körper fordert Bewegung!
Auch wenn mir das vorkommt wie eine Flucht:
Ich gebe nach, folge dem Impuls:
Raus in den Herbstwind,
der Laub um meine Füße wirbelt.Das Wetter launisch wie April:
Mal schwere Wolken, mal weiße Federbäusche vor blauem Himmel,
hindurch zieht ein Schwarm Zugvögel

WeisseWolkenLoslassen

Sie nehme ich als Vorbild:
All die Erinnerungen mit den Vögeln ziehen lassen,
dem vom Wind verwirbelten Laub anvertrauen

und lange, bevor ich den Heimweg antrete
bin ich angekommen, in der Verbindung mit mir selbst:

Es ist genug, mich auf mich selbst einzulasse.

Vogelschwarm

erfolglose Pilzsuche mit reicher Beute

Pilze-und-Farn

Familienbesuch auf dem Land im Oktober
und das Wetter scheint passend für eine späte Pilzsuche.
Nach kalten Tagen ist es wieder warm geworden.
Aber leider: Sehr viel Laub bedeckt schon den Boden.

Pilze-auf-Stamm

Nah am Stamm einer Buche entdeckt meine Schwester einen einzigen und den lassen wir zurück, für eine Waldmaus oder welches Tier auch immer das angenagte Exemplar verspeisen möchte.
Ich entdecke keinen einzigen… soll heißen: keinen essbaren.

Fliegenpilz

Und doch tut es gut, mal wieder im Wald zu sein.
Und mehr als das: Die Beute, die ich mit der Kamera eingefangen habe, ist beglückend.

Pilze-am-Bach

Dialog mit Durga

Schamanin-dunkel

Mal wieder unterlegen
im Kampf mit dem, was viele nennen:
den Inneren Schweinehund.
Ich nenne ihn: den Inneren Sabotour.

Der scheinbare Feind –
die vertraute Gewohnheit –
wächst sich aus zur Dämonenschar.
Was mich denken lässt an Durga: Naturgewalt,
die Leben spenden kann — und auch nehmen.

Drachenfrau B

Göttin Durga, genannt die Unbesiegbare,
ritt mutig in die Schlacht auf einem Löwen.
Ihr rufe ich zu: „Ich bin des Kämpfens müde!“

Da zeigt mir Durga eine andere Seite,
die heißt: Zerstörerin der Unwissenheit.
„Verstehen und Ent-Scheiden – das ist genug.
Das erfordert keinen Kampf.
Nicht mit dir selbst und auch nicht mit Dämonen.“

Das lässt die Dämonenschlacht in anderem Licht erscheinen.
Warum sich verheddern in Kämpfe,
die Kraft und Aufmerksam lenken auf genau das,
was nicht länger passt in mein Leben?

Manchmal verlangt die Leben spendende Durga ein Opfer:
Die Gewohnheit opfern dem neuen und anderen Leben.

Shamanic-drum-blue

Herbstwinde

Herbstweinlaub

Herbstwinde wirbeln welkendes Laub über Straßen und Wege
Stimmungen in wirbelndem Wechsel zwischen Frohsinn und Traurigkeit.

Herbstlaub-im-Fluss
Herbstbaum-fast-kahl

Nadelbäume halten beharrlich fest an ihrem Blattwerk
durch Stürme des Herbstes und harte Winterkälte.

Herbstkiefer

Herbstwinde:
Zeit für den Menschen, zu unter-scheiden:
Was hat sich überholt und darf gehen?
Was darf bleiben, den dunklen Winter hindurch bis ins nächste Jahr?

LeeresNest

Bild oder Rahmen?

Bild-Rahmen1

Worauf wird der Blick gelenkt?
Mancher Rahmen ist überladen
das Bild — mag es schlicht sein oder oder vielfältig —
kann darin erdrückt werden oder gar erschlagen.

Wie sieht dein Bild aus?
Wie die Schlichtheit des Zen ?
Wie eine Spielwiese voller Möglichkeiten?
Ein die Ecke gedrängt?

Bild-Rahmen2C

Lässt der Rahmen das Bild sein, was es ist?
Sagen, was es sagen möchte?
Oder steht der Rahmen für das rastlose Tun und Machen,
hinter dem das Sein ertrinkt?

Was, wenn das Bild sich ausdehnen möchte?
Was, wenn es aus dem Rahmen fällt?
Zeit für neue Lebensfarben!

Bild-Rahmen3

Antworten erwünscht

Die allten Geschichten

Buchrücken-Mängel

All die alten Geschichten
immer wieder im Kopf rezitiert
oder gar laut vorgetragen
ob spannend oder langweilig
ob von Sieg oder Niedelage erzählend
ob von Liebe oder Einsamkeit:
sie dienten dazu, ein Selbstbild festzuschreiben
und mit jeder Wiederholung verfestigt es sich.

Egal, ob die Story gefällt oder nicht:
Irgendwann scheint das Bild vom Ich unverrückbar
und die Frage taucht auf: War‘s das?
Kommt da nichts Neues mehr?

Die alten Geschichten loslassen erfordert Mut
bedeutet: nackt vor dem Spiegel stehen,
der nicht länger ein deutliches Bild zurückwirft,
Bedeutet: Weit offen sein, verletzlich, unsicher…
und doch: es könnte sich lohnen,
sich selbst neu zu erfinden…

Aliena_Illusion