Reden – Zuhören – Schweigen

… muss das ein Entweder-Oder sein?

Sie ruft an…
legt gleich los…
alles ausschüttend, was sie bewegt und erregt.
Irgendwann wird eine Frage eingefügt,
ich setze zur Antwort an…
nach einem halben Satz: Themenwechsel
zum Kuchen, den sie backen will, vielleicht…
Zum Schluss… nach Exkursionen
zu Krankheiten (schrecklich), Wetter (auch schrecklich)
und Kochen (endlich mal was positives dabei,
durchmischt mit Klagen)
kommt zum Abschied die Frage: Hast du noch was?
Nein, danke.

Ich verstehe, da ist tief in ihr die Überzeugung, unterbewusst:
Wenn ich nur oft genug mit-teile all das,
was mich plagt – dann bin ich es los.

bla-bla-Wellen

Verstehen hilft mir nicht:
Nach so viel Zuhören schwirrt mir der Kopf.
Nur noch ein Bedürfnis: Stille. Den Kopf auslüften.

Im langsam sich klärenden Erinnerungswirrwarr scheint
die Erinnerung auf an das Treffen mit einer Freundin…
wir reden miteinander, ich höre mir an was sie bewegt…
die Probleme beim Job, den Wunsch nach Umzug…
sie erkundigt sich nach meinen Projekten
und dann, nachdem so vieles gesagt wurde,
so vieles angehört und kommentiert…

schweigen wir miteinander
ohne den Drang, die Stille mit Worten zu füllen.

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Auf keiner Seiten stehen

Da ist dieses Paar, solange schon verheiratet…
und jede Kleinigkeit reicht, alten Streit anzufachen.
All die verkrusteten Wunden, vor langer Zeit geschlagen…
manche Eitern immer wieder von neuem,
wecken bei jeder Berührung die alten verhornten Wunden
wecken erneut den alten Zorn.

Bin ich in ihrer Nähe, dann wird geklagt und angeklagt:
Die sagt immer… der macht immer…. dieses oder jenes…
Die Klagen sind eine Aufforderung, Partei zu ergreifen.

Will ich das wirklich? Mich auf eine Seite schlagen?
Mich in uralte Kämpfe verheddern lassen?
Oder lieber den inneren Blick ausweiten, das ganze Bild sehen?

Auch Staaten zelebrieren ihre alten Wunden
weisen Schuld zu dem vermeintlichen Feind
der doch aus so vielen einzelnen Menschen besteht
und die meisten wollen nichts als ihr Leben leben,
mit Familie, mit Freunden…
doch da sind diejenigen, die immer wieder
an den alten Wunden kratzen
nicht, um sie zu öffnen für Heilung, sondern
um das Feindbild zu stärken
um verkrustete Reaktionen zu wecken:
den Wunsch nach Rache.

Ihre Anklagen sind Aufforderung, Partei zu ergreifen
und Politiker und Medien fallen darauf herein
polarisierend, manipulierend…
alle wollen eine Mehrheit auf ihre Seite ziehen…
nur eine Mehrheit, nicht alle: Das Feindbild soll bleiben.

Will ich das wirklch? Partei ergreifen?
Mich in uralte Kämpfe verstricken lassen?
Oder den inneren Blick ausweiten, das ganze Bild sehen?

Auch diese uralte Eiche trägt alte Wunden
seit sie vom Blitz getroffen.
Unbeirrt von Zorn reckt sie
die verbliebenen Wurzeln dem Licht entgegen,
die Wurzeln dem nährenden Wasser…
Jedes Jahr bringt sie frisches Grün hervor

Eiche-vom-Blitz-getroffen