Willkommen im Feenreich

So oft schon durchwühlt
all der stinkende Müll der Vergangenheit
So oft wieder berührt
die alten schmerzhaften Wunden…
Warum noch einmal die ganze Tortur?
Dies alles kenne ich doch – bis zum Erbrechen.

Erbrechen ist Reinigung
& die geschieht nicht allein durch Rückschau
sondern durch Anerkennen & Loslassen…

Also Rückblick
auf eine lange Zeit, gelebt in Dunkelheit
im Verborgenen, voller Angst
vor den verächtlich deutenden Fingern
vor den anklagenden Mündern:
„Du bist nicht in Ordnung, so wie du bist.“
Und dann das Anerkennen des eigenen Weges
durch diese lange Nacht der Seele:
Durch ein finsteres Märchenreich
durch gefährliche Wälder und trügerische Sümpfe
bewohnt von schwarzen Zauberern und Hexen,
die ihre giftige Nahrung anboten.

Doch es gab auch andere Begegnungen
mit Wesen, die wirkten fremdartig und waren doch vertraut
mit Feen und Trollen, die um Hilfe baten
und dann selbst magische Hilfe anboten

die Furcht erregende Begegnung mit einem Drachen:
die Furcht, gegen ihn kämpfen zu müssen, auf Leben und Tod.
Es kam anders: Nicht Kampf wollte er, sondern Austausch:
auch ein Drache sehnt sich nach Nähe und Freundschaft.
Auf dem Weg durch die tiefdunkle Drachenhöhle
wurden alten Lasten aufgelöst:
verbrannt in reinigendem Feuer.
Als Lohn für den Mut teilte er seine Geheimnisse mit
seinen Schatz an Drachen-Weisheit.

Und der Weg führte weiter
hinaus aus Höhle und finsterem Wald & hinein
in eine zartviolette Morgendämmerung
wo verheissungsvoll im Gras der Morgentau funkelt

Wo ich hinaustrete in den jungen Morgen
unbelastet von Vergangenheit
das einzige Reisegepäck:
die tiefen Geheimnisse
die der Drache mit mir teilte
und ich trete ein
in eine Anderswelt
werde begrüsst als Feen-Königin

Und ein tiefes Erkennen steigt auf
entfaltet sich zu Freude und Lebenslust:
Hierher war ich die ganze Zeit unterwegs!

Drachenfrau

Gerade habe ich einen astrologischen Text zum Neumond im Skorpion veröffentlicht „Welch ein Start ins Zeichen Skorpion!“ http://skorpionmondin.wordpress.com/
Die Thematik der Wendung nach innen, der Selbsterforschung, die mitunter auch zum Entdecken verborgener Schätze führen kann, hat mich veranlasst, dieses bereits vor vielen Jahren entstandene Gedicht auszugraben, das auch in meinem Lyrikband „Mein Krähennest“ enthalten ist.
Titel und Schluss des Gedichts haben einen Bezug zu einem der sabischen Symbole, dem für 28° Skorpion: „Der Elfenkönig nähert sich seinem Reich.“

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Ein Märchen vom Festhalten und Loslassen

Ein Märchen vom Festhalten und Loslassen

Der Apfelbaum stand in einem Obstgarten, zwischen vielen anderen Obstbäumen. Es war das erste Jahr, in dem man wirklich von ihm sagen konnte, daß er in voller Blüte stand. Er war jünger als alle anderen Bäume in diesem Garten. Im vergangenen Jahr hatte es während der Blütezeit Frost gegeben, und alle Blüten, die er hervorgebracht hatte, waren erfroren. Die älteren Bäume, die sich an viele Jahre der Baumerfahrung erinnern konnten, hatten schon einige solcher Schicksalsschläge überstanden und nahmen die Launen des Wetters mit Gleichmut hin. Der junge Apfelbaum jedoch hatte das ganze Jahr, und besonders den ganzen langen Winter hindurch seinem Frühlingskleid aus Blütenflohr nachgetrauert. Um so mehr war er natürlich stolz gewesen auf die vielen Knospen, die sich zu ebenso vielen duftigzarten Blüten entfaltet hatten, mehr denn jemals in seinem jungen Leben, denn er war ja doch gewachsen während des vergangenen Jahres, auch wenn es so enttäuschend verlaufen war.

Sein Stolz und seine Freude aber hatte eine Schattenseite: Im Sonnenschein war er glücklich, doch er begann, sich zu sorgen, sobald eine Wolke sich vor die Sonne schob. Würde ein heftiger Regen seine duftende Blütenpracht zerstören? Und erst wenn es Abend wurde: Würde die Nacht etwa so kalt werden, daß Nachtfröste ihn seines Blütenschmucks berauben würden?

Doch all seine Ängste erwiesen sich als unbegründet – und sie hätten ja ohnehin keinen Einfluß gehabt auf das wendische Wetter -, und seine Blüten verwandelten sich allmählich in winzige Fruchtansätze. Er trauerte den Blüten nach, gerne hätte er sein zartes Frühlingskleid noch ein wenig länger getragen, bevor es in das schlichtere, dunklere Sommerkleid verwandelt wurde. Aber er erinnerte sich an die vielen Früchte, die er an den anderen Bäumen so bewundert hatte, als er selbst noch so jung gewesen war, daß er fast all seine Kraft für sein Wachstum gebraucht hatte und nur wenige Früchte getragen hatte.

Während der Baum gespannt und ein wenig ungeduldig die langsame Entwicklung seiner Früchte verfolgte, vergaß er ganz, den Blüten nachzutrauern. Er genoß den warmen Sommer, der viel Sonnenschein brachte und milden Regen zur rechten Zeit.

»Ein Sommer wie im Bilderbuch«, hörte er manchmal die Menschen sagen, die das Haus neben dem Garten bewohnten. Er wußte, daß diese Menschen im Herbst mit Leitern und Körben kommen würden, um die Früchte der Bäume einzusammeln. Während es die anderen Bäume stolz machte und mit Freude erfüllte, daß ihre Früchte gebraucht wurden, wollte der Apfelbaum seine Früchte nicht hergeben. Bevor sie noch ganz reif waren, bemühte er sich, sie festzuhalten an seinen Zweigen. Er wußte, er durfte ihnen den letzten Saft, den sie zur völligen Reife brauchten, nicht mehr geben, sonst würde er sie alle verlieren.

In diesem Herbst gab es eine reiche, üppige Ernte. Alle Bäume ließen schon Früchte vom Übermaß ihres Reichtum, der die Zweige bog, ins hohe Gras fallen, wo sich in der Dunkelheit der Nacht Igel und Schnecken an ihnen labten. Alle bis auf diesen einen Baum. Mit seinem brennenden Wunsch, all seine Früchte für sich zu behalten, hatte er es erreicht, daß sie nicht voll ausreiften und ganz fest mit seinen Zweigen verbunden blieben. Die Vögel, die sich in dem Garten an der Vielfalt der Nahrung freuten, wandten sich lieber den reifen Früchten der anderen Bäume zu, und dem Apfelbaum war es nur recht so. Oft waren auch Kinder im Garten, wo sie spielten und natürlich auch von dem Obst naschten. Als ein Mädchen sich einen Apfel vom Baum pflückte und hineinbiß, verzog es den Mund und spuckte den Bissen gleich wieder aus. »Diese Äpfel schmecken nicht«, rief es enttäuscht, »sie sind noch ganz hart und sauer.«

Ein wenig fühlte sich der Baum gekränkt, weil seine Äpfel weniger gut sein sollten als das Obst all der anderen Bäume. Aber zugleich triumphierte er innerlich. »Dann werdet ihr mir meine Früchte auch nicht stehlen.«

Bald kam tatsächlich die Zeit, wo die Menschen mit Leitern und Körben anrückten, um im Obstgarten Ernte zu halten. Der Baum, der in der hinteren Ecke des Gartens stand, sah zu, wie sie Korb auf Korb füllten. Krampfhaft hielt er all seine Früchte fest, entschlossen sie niemals herzugeben. Und er hatte tatsächlich den erwünschten Erfolg. Ein Mann pflückte einen Apfel, der sich nur sehr schwer vom Zweig lösen ließ. Er hielt den Apfel in der Hand, sah ihn zweifelnd an, biß hinein, verzog das Gesicht und spuckte das abgebissene Stück sofort wieder aus. Achtlos warf er den angebissenen Apfel ins Gras.

»Was ist nut mit diesem Baum los? Diese Äpfel sind ja ungenießbar. Eigentlich müssten die längst reif sein. Und eine gute Sorte ist es doch eigentlich.«

Eine gute Sorte? Das hörte der Baum gern und fühlte sich geschmeichelt, wenn er auch andererseits wieder gekränkt war, weil anscheinend niemand seine Äpfel zu würdigen wußte. »Ja«, dachte er boshaft, »eine gute Sorte, aber nicht für euch. Das sind meine Früchte und sollen meine bleiben.«

So stand er den ganzen Herbst hindurch im Garten, mit voll beladenen Zweigen, die sich unter der Last seiner Äpfel bogen. Einige Male noch kamen die Menschen in den Garten, um sich den Baum anzusehen. Das Ergebnis war immer das gleiche: Die Äpfel gelangten nicht zur Reife, waren ungenießbar.

»Da hat uns der Gärtner aber einen sonderbaren Baum angedreht,« sagte einer. »Wir sollten ihn im nächsten Jahr abhauen,« sagte ein anderer. »Er nimmt nur den anderen Bäumen unnötig Kraft weg. Ich werde demnächst mal mit dem Gärtner sprechen.«

Der Apfelbaum, der dies gehört hatte, erzitterte von den tiefsten Wurzeln bis hinauf in die Zweige, die sich unter der Last der Äpfel bogen. Er sollte zerstört w erden, nur weil er nicht bereit war, all seine Früchte den Menschen zu opfern, die nichts zu ihrem Wachstum getan hatten? Aber gerade diese Angst und Empörung (und ein großer Anteil Trotz) brachte ihn dazu, seine Äpfel nur um so fester zu halten.

An anderen Bäumen hingen nur noch vereinzelte Früchte, ganz hoch oben, wo die Menschen sie nicht erreicht hatten. Und all diese letzten Zeichen von Reife wurden von den ersten starken Winden des Herbstes herabgeworfen – nicht aber die Früchte des Apfelbaumes. Verbissen trotzte er den Herbstwinden, als hielte er sie für seine Feinde, die nur kämen, ihn zu berauben.

Dann aber, eines Nachts, kam ein Sturm auf, dem der Baum nicht mehr gewachsen war. Seine Äste, von ihrer schweren Last beinahe zu Boden gezogen, konnten sich nicht der Bewegung des Sturms beugen. All der entschlossene Wille des Baums half ihm nicht durch diese Nacht.

Am nächsten Morgen, als der Sturm sich gelegt hatte, waren fast alle seine Äste mitsamt ihrer Apfellast abgebrochen. Auch andere Bäume hatten einzelne Äste verloren, besonders die älteren, die nicht mehr so geschmeidig waren. Der Apfelbaum aber bot wirklich ein traurigen Anblick, wie er seine Aststümpfe von sich reckte, als wolle er immer noch dem Herbstwind damit drohen. Um ihn herum am Boden lagen seine abgebrochenen Äste, Zweige und seine vielen Äpfel, die nie ganz das letzte Stadium der Reife erreicht hatten.

Zuerst war der Baum zornig, dann bekam er Angst. Sicher würden die bösen Menschen sich jetzt an ihr Vorhaben, ihn zu fällen, erinnern. Tatsächlich kamen sie an diesem Morgen, den Schaden zu besehen, den der Sturm angerichtet hatte.

»Um den ist es nicht schade, der sollte ohnehin weg im nächsten Frühjahr«, sagte einer, auf den Apfelbaum weisend.

»Dann wird es also bald aus sein mit mir«, dachte der Baum, und nachdem die heftigen Wogen von Zorn und Angst verebbt waren, gab es angesichts dieser Gewißheit nur noch eine tiefe Traurigkeit in ihm. In dieser Traurigkeit verbrachte er den kalten Winter, der den anderen Bäumen eine Ruhepause zum Sammeln neuer Kräfte für den kommenden Frühling war.

Versunken in seiner Traurigkeit, wie der Baum war, merkte er erst, daß der Frühling gekommen war, als er die Bäume um ihn herum geschmückt sah mit den ersten zartgrünen Blättern. Er verglich sich mit den anderen, fand sich häßlich und mißgestaltet, wie er so dastand mit seinen abgebrochenen Ästen. Und er dachte daran, daß dieser Frühling sein letzter sein sollte. Er fühlte sich schwach, er war verzweifelt, aber in einer Anwandlung von Trotz beschloß er, wenigstens einige Blätter auszutreiben. »Mit einem Hauch von hellem Grün will auch ich mich schmücken und die Wohltaten der Sonne genießen, solange ich das noch kann«. Und das sollte länger sein als er ahnte. Im Haus der Menschen starb jemand, dann wurde ein Kind geboren, Feste des Abschieds und des Willkommens fanden statt, und über so viel Veränderung vergaßen die Menschen den Baum.

Und als die Tage länger wurden und die Wärme der Sonne zunahm, brachte der Baum nicht nur neue Zweige und grünes Laub, sondern auch die ersten Knospen hervor. So hatte also auch in ihm, obwohl er gefangen gewesen war in seiner Traurigkeit, insgeheim die erneuernde Kraft der Natur gewirkt und ermöglichte ihm nun neues Wachstum. Verglichen mit den ihn umgebenden Bäumen sah er immer noch arg mitgenommen aus, weshalb er in diesem Jahr nicht übermäßig stolz war auf seine Blüten. Er freute sich einfach darüber — es war eine bescheidene, demütige Freude.

Als der Sommer gerade auf das Frühjahr gefolgt war, hörte er einen der Menschen sagen: »Wie schnell die Zeit wieder vergangen ist. Inzwischen ist es doch zu spät, noch einen neuen Baum zu pflanzen. Lassen wir ihn also stehen bis zum Herbst.«

Den ganzen Sommer würde er also Zeit haben — und vielleicht würden die Menschen es sich doch noch anders überlegen?

So ungewiß war die Frage seines weiteren Bestehens, daß der Baum keine Sorgen mehr an das wechselhafte Wetter verschwendete. Alles schien ihm neu, wie nie zuvor erlebt: der Wärme und Licht spendende Sonnenschein, der erfrischende Regen — und sogar die heftigen Winde, die gelegentlich an seinen jungen Zweigen rüttelten. Es war durchaus Traurigkeit dabei, wenn er das Dunklerwerden des Laubes und das Reifen der Früchte aufmerksam verfolgte, denn das brachte ihn wohl unweigerlich seinem Ende näher. Und doch war er fasziniert wie nie zuvor von dem Rhythmus des Jahres, der Entwicklung der Bäume um ihn herum — und natürlich auch von seiner eigenen. Wozu etwas festhalten, wenn er selbst keine Dauer haben sollte?

Als der Spätsommer herankam und damit die Erntezeit, trug der Baum zwar nur wenige, aber voll ausgereifte Früchte in seinem Geäst.

Zur Erntezeit gingen ein Mann und ein Kind zu dem Baum. Der Mann pflückte einen Apfel, probierte, lobte und gab auch dem Kind einen Apfel. »Na, dieses Jahr sind die Äpfel aber so, wie sie besser nicht sein könnten. Vielleicht hatte er einfach zu früh zu viele Früchte. Ein wenig unansehnlich steht er ja da, aber das wird sich noch auswachsen.«

Diesmal erbebte der Baum vor Freude und Glück von seinen tiefsten Wurzeln durch den Stamm hinauf bis zu den kleinsten Zweigen. Ein Apfel fiel herab, den Menschen direkt vor die Füße, und der Baum spürte dabei die Freude des Gebens. Warum sollte er festhalten?

Ein neuer Frühling würde kommen mit neuem Leben und mit Blütenpracht, Sommer und Ernte würden folgen, und dann die Ruhe des Winters, wieder und wieder.

Was gab es da festzuhalten?

Göttliche Funken — wir alle

Vor langer, langer Zeit erkannten die Menschen Gott in allem, das sie umgab: In Steinen und Bäumen, in Wolken und Wasser. Sie hörten die göttliche Sprache im Gesang der Vögel und im Grollen des Donners. Um die harten Worte zu vermeiden und statt dessen sanften Regen und ebenso sanften Sonnenschein einzuladen, brachten sie heraus ragenden Verkörperungen Gottes ihre Gaben dar: hohen Felsen, uralten, riesigen Bäumen und klaren Quellen.
Ja, es war offensichtlich: Gott wollte verehrt werden. Doch es gab so viele Manifestationen Gottes!
Also musste eine Auswahl musste getroffen werden. Der eine Clan neigte dazu, Felsen zu verehren, dieser die Vögel der Lüfte, jener bevorzugte Bäume, ein anderer Wasser, wieder ein anderer gar Feuer. Jeder Clan entschied, was den höchsten Wert hatte, entsprechend der eigenen Lebensweise Doch es dauerte nicht lange, bis der Streit losging: Welche Erscheinung Gottes war besser? Welche besonders wohlwollend? Welche verkörperte die größte Macht?
Und weil die Vorlieben so vielfältig waren, kam es oft zu Kämpfen.

Vor immer noch langer Zeit trug ein Mensch eine revolutionäre Idee vor: All diese Dinge und  Orte der Anbetung – sie alle sind Manifestationen eines einzigen Gottes. Lasst uns die Sache vereinfachen und einem einzigen all umfassenden Gott huldigen.
Es brauchte einige Zeit… doch viele Menschen und viele Völker nahmen diesen Vorschlag an. Der Grundgedanke war: Einigung. Alles ist eins, weil alles aus einer Quelle stammt.
Aber brachte diese Vereinigung Frieden? Nein.
Da gab es jene, die Monumente erschaffen wollten, und die zeigten Gott als Mann. Die Frauen waren nicht einverstanden: Wer bringt neues Leben in diese Welt? Dies kann nur eine Göttin sein.
Da kamen jene, die sagten: Die Größe Gottes übersteigt jede Vorstellungskraft. Deshalb darf es  nicht erlaubt sein, die Gottheit in Farbe oder Stein abzubilden.
Wieder gab es heftig Kämpfe und Kriege und noch mehr  Kriege, alle geführt im Namen Gottes.

Doch es gab einige, die des ständigen Streitens und Kämpfens müde wurden, und ihre Zahl wuchs, und einige von ihnen wurden nachdenklich. Sie  fragten sich: Wenn Gott in allem ist und wirkt: dann muss auch ein göttlicher Funke in mir selbst lebendig sein!

Ein Sehnen geht um die Welt: Sich mit diesem göttlichen Anteil zu verbinden.
Und doch: Wie in den Liedern der Troubadoure, die von Liebe singen, der die Erfüllung fehlt,
war dies ein Sehnen nach etwas, das verloren ging, vor langer Zeit. Nach etwas, das irgendwo dort draußen ist, in weiter Ferne — vielleicht irgendwo jenseits des Regenbogens?
Gedichte werden geschrieben, Lieder gesungen und um die Erdkugel getragen:
Dieser Funke Gottes ist im Innern lebendig, er funkelt in mir, in dir… in jedem von uns.
Viele fühlen sich hingezogen zu diesen Liedern, und viele zweifeln: Könnte etwas Wahres daran sein?

Doch hier und da stellt sich der eine oder andere eine neue Frage: Das hört sich gut an, aber alle tun so, als wäre  dieser göttlicher Funke etwas, das erst gefunden werden muss. Ob in weiter Ferne oder um die nächste Ecke: Das Suchen bedeutet: Immer außer Reichweite.
Ich hab‘ genug von all dem Sehnen und Zweifeln: Ich atme ihn ein, diesen Funken, tief in mich Selbst.

Und wie zuvor das Lied voller Sehnsucht und Romantik wird ein neues Lied gesungen, und es geht um die ganze Welt: Ich bin, du bist, wir alle sind Funken Gottes, menschlich und göttlich zugleich.

Und wenn dieses Lied sich verwurzelt, dann ist es das Ende von Kämpfen, Streit und Krieg.

Schamanische Reise in die Drachenhöhle

Wieder einmal hatte ich mich so verletzlich gefühlt in der Welt der Menschen, so hilflos und schwach ― ebenso sehr wie damals, als ich geflohen war und die Kraft eines schwarzen Drachen mir geholfen hatte. In meiner Not erinnerte ich mich an ihn, den alten schwarzen Drachen, und machte mich auf den Weg zu seiner Höhle.
Als ich endlich, nach einer langen, erschöpfenden Wanderung, vor dem dunklen Höhleneingang stehe, zögere ich. Hier draußen ist heller Tag. Aber waren für mich nicht auch die hellsten Tage oft voller Dunkelheit gewesen? Diese Art von Dunkel war es ja, die mich hierher geführt hat. Dennoch lodert jetzt Angst auf. Aber wohin sonst könnte ich mich wenden? Wozu habe ich diesen weiten Weg zurückgelegt, bis vor die Höhle des Drachen?
Also trete ich ein in die Dunkelheit. Wasser tropft von den Höhlenwänden. Sehen kann  ich es nicht, aber spüren und hören. Pling! Pling!, begleiten Wassertropfen meinen Weg. Zu ihrer Melodie — Pling! Pling! — setze ich Schritt vor Schritt. Je weiter ich in die Finsternis vordringe, umso mehr scheint sie sich aufzuhellen. Als dringe aus der Tiefe der Höhle  ein schwaches Leuchten, wie von klaren Kristallen. Also doch ein Drachenschatz? Aber wir waren uns doch einig, dass dieser Schatz aus Weisheit besteht.
Mein Herz zittert vor Erwartung, vor Furcht und Freude wie das eines Vogels in seinem Käfig, der sich nach Freiheit sehnt und doch davor fürchtet.
Als ich laute Atemgeräusche höre, nehme ich mit der Kraft meiner Vorstellung mein unruhiges Herz in beide Hände. Da lebt etwas! Etwas Bedrohliches? Warum fürchte ich mich? Ich bin doch vertraut mit dem Drachen. Aber seit unserer letzten Begegnung ist so viel Zeit vergangen… Verronnen, so wie das Wasser von den Höhlenwänden tröpfelt.
Vorsichtig tasten meine Füße über den Boden, näher und näher heran an das Atmen. Nur einen schattenhaften Umriss kann ich erkennen, eine Schwärze in der Dunkelheit. „Bist du es?” wage ich zu flüstern.
Er ist es, und er hat mich längst wahrgenommen, lange bevor ich ihn erkennen kann. Ich höre ein tiefes Grollen, und nun macht er mir Vorwürfe mit einer Stimme, die schwach klingt, nicht so tief und stark und mächtig wie ich sie erinnere.
„Meine Kraft wollte ich dir geben, und du hast sie nicht genommen. Jetzt ist sie zerflossen, ist faulig geworden wie stehendes Wasser.“
„Ich war gefangen im Gestrüpp der Menschenwelt, und es war nicht einfach, mich daraus zu lösen,“ stammele ich. „Es tut mir leid.“
„Leid! Leid! Auch ich habe gelitten. Zuerst haben die Menschen die Existenz des Drachengeschlechts völlig geleugnet. Wie endlos lange habe ich hier gehaust, verborgen und verlassen. Dann bist du gekommen, und es gab wieder Leben und Hoffnung. Und dann bist du wieder gegangen. Kraft, die nicht weitergegeben werden kann, verdirbt irgendwann.“
Er weint, weint faulige Tränen. Alles ist faulig und stinkend in der Höhle. So war es nicht, als ich zum ersten Mal hier war. Ich ekle mich davor und möchte am liebsten umkehren. Aber dieser Drache hat mir geholfen mit seiner Kraft, und ich mag ihn, ich vertraue ihm, und deshalb möchte ich irgend etwas tun für ihn. Warum nur hatte ich ihn vergessen? Weil ich meinte, mich zufrieden einrichten zu können in der normalen Menschenwelt?
So lange hat er vergebens gewartet im Dunkel…
Also überwinde ich meinen Ekel und berühre seine schwärende schwarze Schuppenhaut, doch ich fühle mich elend und schwach dabei. Gefühle, die schon da waren, bevor ich hierher zurückgekehrt bin. Und nur deshalb, weil ich mich so elend gefühlt hatte, habe ich mich erinnert an seine Drachenkraft. Die nun dahinschwindet. Meine Reue und mein Mitgefühl werden stärker als Ekel und Schwäche; und ich lege beide Arme um den mächtigen Drachenrumpf.
Seine bernsteingelben Drachenaugen leuchten auf vor Freude über die Berührung, leuchten warm und golden, viel heller als der kristallene helle Schein aus den Tiefen der Höhle. Er hebt den Kopf und stößt eine Feuerflamme aus wie eine Fackel, mit der er das zurückkehrende Leben feiert ― doch es scheint ihn große Anstrengung zu kosten. Und der faulige Schwefelgeruch, der ihn umgibt, wird stärker, wird beinah unerträglich.

Und dann ist es nicht mehr mein starker Drache, der die Feuerflammen beherrscht: Es ist entsetzlich ― er selbst wird vom Feuer verzehrt! Die Flammen verbrennen ihn, nähren sich von seinem Leib! Mein Drache zerfließt zu einer ekelhaften Lache, auf der die Flammen tanzen.
Entsetzt bin ich und traurig zugleich: Er, der so stark und mächtig war. Nur Asche bleibt zurück. Und ich fühle mich schuldig. Wäre ich doch nur früher zurückgekehrt!
Da entdecke ich inmitten der Asche ein Stück Kohle, und das beginnt von innen zu glühen — es leuchtet aus sich selbst heraus. Plötzlich wird die Luft ganz klar und rein. Und die eben noch rot-glühende Kohle liegt als goldener Klumpen da. Vorsichtig strecke ich die Hand danach aus und berühre ihn mit den Fingerspitzen. Der Goldklumpen ist nicht mehr heiß, sondern angenehm warm.
Aber was soll ich mit Gold, das nicht lebendig ist? Wieder werde ich von Verzweiflung überflutet: Ich war doch gekommen, den Drachen zu suchen. Und fand ihn sterbend. Einst schien er so Furcht einflößend ― und doch hat er mir geholfen mit seiner Drachenkraft. Er schien so gefährlich zu sein ― und war doch so sanft. War erst so stark und dann so schwach. Er atmete, lebte, spie Feuer, und nun ist er nicht mehr. Ich bin zu spät gekommen. Ich bin verzweifelt.
Als ich das eiförmige Gebilde vorsichtig mit beiden Händen umfasse, bin ich überrascht, wie leicht es ist. Und irgend etwas scheint darin zu pulsieren. Ist das sein Vermächtnis? Wenn er mir dies hinterlassen hat, was soll ich tun damit? Ich schließe die Augen, frage mich, wie und wo ich eine Antwort finden kann.
Da spüre ich eine Bewegung in der Höhlung meiner Hände. Ich erschrecke, doch da regt sich auch Neugier. Wenn ich jetzt die Augen öffne, werde ich dann die Antwort auf meine Frage finden?
Das goldene Ei ist aufgebrochen, und in meinen Händen bewegt ein winziges Drachenkind seine Flügel, erstaunt schaut es in die Welt, die eine dunkle Höhle ist. Es ist so klein, so zart, es wirkt so schutzlos.

Aber ich war doch die Schwache, die Schutz suchen wollte bei einem starken schwarzen Drachen! Die einen sterbenden Drachen fand, den seine Kraft verließ, der von seinem eigenen Feuer verbrannt wurde. Soll nun ich die Starke sein für ein schutzbedürftiges Drachenkind? Seine Haut ist noch kein fester Schuppenpanzer, sie fühlt sich sehr zart an. Und der Blick aus seinen dunklen Augen ist so vertrauensvoll. Wer Vertrauen zeigt, kann umso leichter verletzt werden. Diese Lektion habe ich gründlich gelernt.

Drachen, frisch geschlüpft
Ich blicke hinunter auf das winzige Wesen in der Wölbung meiner Hände und fühle mich ratlos. Und erschrecke furchtbar durch ein Rumpeln, Poltern und Krachen, das von allen Seiten zu kommen scheint. Es ist unter und über mir, umgibt mich ringsherum. Einen Moment stehe ich starr vor Schreck: Wird nun, da der alte Drache nicht mehr ist, die ganze Höhle zerfallen? Ich muss unbedingt das Drachenkind schützen! Dieses winzige Wesen ist seine Hinterlassenschaft. Und wenn ich verantwortlich bin, kann ich nicht einfach fliehen. Behütend schließe ich meine Hände um den winzigen Drachen, atme tief durch und wende mich um. Und sehe nichts als Steinhaufen, Felsentrümmer, Höhlentrümmer. Der Weg, auf dem ich gekommen bin, ist versperrt. Aber dort drüben: ein Riss in der Höhlenwand, wo zuvor keine Öffnung war, gerade breit und hoch genug, dass ich mich hindurch schlängeln kann, auf eine Hand gestützt, in der anderen halte ich vorsichtig das zarte Drachenwesen.

Draußen ist Nacht, doch es ist keine finstere Nacht: die Dunkelheit wird erhellt von Mond- und Sternenschein. Nächtliche Lichter über einer Landschaft, die zum Betreten einlädt. Ich richte mich auf, steige vorsichtig über Geröll hinweg und fühle mich sicher, als meine Füße weiches Gras berühren. Hohe Bäume bieten ihren Schutz an, und irgendwo in der Nähe plätschert eine Quelle…
„Komm, kleiner Drache, lass uns hinausgehen in die klare Nacht. Und dann lass uns sehen, was der kommende Tag uns zeigen wird.“

Der weinende Stein

Zu einer Zeit, als noch ein sehr großer Teil der Erde von dichten Wäldern bedeckt war, lebte ein Magier namens Merlin. Er hatte bereits ein langes Leben gelebt und die Erde und ihre Gaben geachtet. Wie sonst hätte er Magie wirken sollen, wenn nicht in Einklang mit der Natur?

Doch dann waren Fremde in sein Land eingedrungen, und die hatten nicht nur fremde Sitten mitgebracht, sondern auch einen fremden Gott. In dessen Namen gingen sie auf Eroberungszüge und trieben Raubbau an der Natur.

Zwar kämpften die Menschen im Land des Magiers gegen die Eindringlinge, doch dauerte es nicht lange, bis sie sich so Manches von den Fremden abschauten. Wie die Eindringlinge gestanden sie den Frauen weniger Rechte zu als den Männern. Merlin hatte eine begabte Schülerin namens Nimuë, und die war erzürnt über die Veränderungen, die sie voraussah: Die fehlende Achtung vor den Frauen und der Natur würde Leid und ein nie zuvor gekanntes Ausmaß an Zerstörung bringen. Und da ihr Lehrer, der als größter Magier seiner Zeit galt, sich immer weiter vom Einklang mit der Natur entfernte, war sie ihm bald an magischer Kraft überlegen. Getrieben von ihrem Zorn nutzte sie diese Kraft, um ihren Lehrer in einen Felsen zu bannen.

Sein Körper war also eingeschlossen in einen Fels auf einer Waldlichtung, doch als Magier konnte er seinen Geist weit über die Erde schweifen lassen, und so sah er, wie Männer die Erde, ebenso wie die Frauen, immer stärker missbrauchten. Ohne jede Möglichkeit des Eingreifens musste er zusehen, wie Wälder gnadenlos abgeholzt wurden, wie dem Boden die unterirdischen Schätze entrissen wurden, wie Äcker nicht mehr in Einklang mit der Natur bestellt wurde. Und er sah die Folgen dieser Unterdrückung der weiblichen Kraft: Überschwemmungen und Bodenerosion, Vergiftung des Wassers und des einst so fruchtbaren Bodens.

Schließlich rührte sich im versteinerten Merlin etwas, das ihm während seiner letzten Jahre als mächtiger Magier mehr und mehr abhanden gekommen war. Er empfand tiefes Mitgefühl: Mit den Frauen und Kindern dieser Welt, mit den Pflanzen, den Tieren, der Erde, sogar mit den Steinen und dem Wasser. Und da begannen seine Tränen zu fließen, ganz langsam bahnten sie sich ihren Weg hinaus aus dem Fels. Zuerst war es nur ein zaghaftes Tröpfeln aus seinem versteinerten Gesicht.

 

Irgendwann, nach langer, sehr langer Zeit kommt Nimuë mit der Neuigkeit zu ihm, dass eine Zeitenwende bevorsteht. Und sie tut noch mehr: Als sie das Rinnsal aus Tränen bemerkt, streichelt sie sanft über das Steingesicht. Da wird aus dem spärlichen Tröpfeln eine klare Quelle, die im zuvor ausgedörrten Boden Samenkörner weckt und zum Sprießen bringt. Als sich im Teppich aus Gras erste zarte Blütenkelche öffnen, gesellen sich zu Merlins Tränen der Trauer solche der Freude, und die verstärken noch den Fluss des reinen Wassers. Da befreit Nimuë ihren einstigen Lehrer aus dem Stein.

Mein Weg zum Schreiben

Was mich dazu gebracht hat, einen Blog zu starten?

Ich möchte „meine Schreibe“ einem Publikum vorstellen.

Mein Weg zum Schreiben war einer mit Umwegen: Nach verschiedenen Brotberufen habe ich das Abendgymnasium besucht und anschließend Anglistik studiert. Bis zum Beginn meines Studiums habe ich sehr viel gelesen und mir das Leben als Autorin immer als etwas Magisches vorgestellt, das für mich leider undenkbar blieb. Während des Studiums habe ich mich mit Märchen und Mythen beschäftigt — und irgendwann war es dann da: mein erstes Märchen. Zuerst als Idee im Kopf — und die habe ich tatsächlich zu Papier gebracht. Pure Magie!

Dieses erste und einige weitere Märchen sind im Laufe der Jahre mehrfach in Zeitschriften veröffentlicht worden, sowie einige Gedichte und Kurzgeschichten in Anthologien.

Aber was Romane betrifft: Ich habe zwar einige geschrieben, darunter auch ein Krimi, von Verlagen aber nichts als Absagen geerntet. Und weil ich‘s nun leid bin (nicht das Schreiben) habe ich nun einen meiner Romane als Print-on-Demand und als E-Book herausgebracht.

http://www.epubli.de/shop/buch/Entweder-Zeit-oder-Geld-Frida-Kopp/12710

http://www.amazon.de/s?_encoding=UTF8&search-alias=books-de&field-author=Frida%20Kopp

Nach meinem Studium habe ich mich intensiv mit Astrologie beschäftigt, bin gelegentlich als Beraterin tätig und veröffentliche auf Page Wizz meine Astro-Vorschau, allerdings nicht für die zwölf Sonnenzeichen, sondern mit dem Schwerpunkt Mundan-Astrologie.

http://pagewizz.com/astro-ausblick-zum-jahreswechsel/

http://pagewizz.com/astro-ausblick-februar-2012/

http://pagewizz.com/astro-ausblick-die-mars-ruecklaeufigkeit-1/

http://pagewizz.com/astro-ausblick-maerz-2012/